Der GC-Präsident stellte sich den Fragen des GCblog (Bild: www.gcz.ch)
Die Diskussionsrunde war aus unserer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung. Wie haben Sie den Abend empfunden und was waren Ihre Eindrücke?
Urs Linsi: Es war ein rundum gelungener Anlass. Bereits die Wahl der Lokalität war gelungen und der Ablauf war bestens vorbereitet. Die Voten der Fans waren sehr konstruktiv. Ihr Engagement hat mich beeindruckt. Der Anlass hat mit Sicherheit das gegenseitige Verständnis gesteigert.
Zu Beginn wurde viel über den Owners Club gesprochen. Ziel ist es, zwischen 20 und 25 Geldgeber zu mobilisieren die pro Jahr 250’000 Franken einschiessen. Mindestens müssen es aber 16 sein. Wo stehen wir heute und reicht die Zeit bis zum 10. März?
Urs Linsi: Ich bin sehr zuversichtlich. Wir sind auf gutem Weg, unser Ziel zu erreichen.
GC war die Nummer 1 in der Schweiz trotzdem sucht man seit längerem 20 mögliche Geldgeber. Wie erklären Sie sich diesen Umstand?
Urs Linsi: Wir wollen die Tradition als erfolgreichster Schweizer Fussballclub fortsetzen. Wir wollen auch künftig das Publikum mit attraktivem Fussball begeistern, an der Spitze der Super League mitspielen und an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Gleichzeitig muss das wirtschaftliche Fundament stimmen. Wir verfolgen eine verantwortungsvolle, langfristige Perspektive. Wir wollen gesunde Finanzen, die Finanzierung des Vereins breiter abstützen und wieder zu einer attraktiven Sponsoringplattform werden. Das bedeutet, dass wir stark auf den Nachwuchs setzen werden. Wir wollen den GC dank vorbildlicher Nachwuchsarbeit und der ausgezeichneten Infrastruktur des GC/Campus zu einem House of Talents, zu einer Talentschmiede mit internationaler Ausstrahlung entwickeln. Die entsprechenden Konzepte haben wir vorbereitet, aber jetzt brauchen wir für die Umsetzung das notwendige Geld. Die Gespräche mit Geldgebern, die bereit sind, in das Nachwuchskonzept des GC zu investieren, sind auf gutem Weg. Als Voraussetzung für die Realisierung und die nachhaltige Finanzierung dieses Konzepts müssen aber auch die Kosten weiter gesenkt werden.
Das Thema Exil wurde von den Fans schwermütig aufgenommen. Ohne Perskeptive wollen wir Fans nicht aus Zürich verschwinden und dem FC Zürich die Alleinherrschaft überlassen.
Urs Linsi: Auch für uns gehört der Grasshopper Club Zürich zur Stadt Zürich wie das Grossmünster oder die Bahnhofstrasse. Im Interesse des wirtschaftlichen Überlebens mussten wir aber Alternativen suchen, die uns auch gezeigt haben, dass ein Stadion wesentlich kostengünstiger zu betreiben ist, als das Stadion Letzigrund. Jetzt haben wir mit der Vermieterin, der Stadt Zürich eine Einigung erzielt. Dass wir weiterhin in der Stadt Zürich spielen, freut nicht nur unsere Fans. Jetzt müssen wir aber, wie vorgesehen, zusammen mit der Stadt Zürich und dem FC Zürich gemeinsam weiteres Sparpotential ausmachen und umsetzen.
Die Sicherheits- und Polizeikosten sind im Letzigrund immens. Gab es in der Vergangenheit bereits Gespräche mit der Stadt, beispielsweise ein Bonus/Malus System einzuführen?
Urs Linsi: Die Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt Zürich und der Stadtpolizei haben wir inzwischen zu einer Einigung mit reduzierten Kosten erzielt. Auch in diesem Bereich muss der Dialog fortgeführt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich auch die Fans entsprechend verhalten, so positiv, wie in der Vergangenheit.
Damit der Hardturm bald gebaut wird, muss weiterhin Druck auf die Stadt ausgeübt werden. Die Unterschriften-Petition ist war ein voller Erfolg. Sammelten Sie ebenfalls Unterschriften?
Urs Linsi: Selbstverständlich haben wir alle beim Grasshopper Club Zürich dafür gesorgt, dass die Unterschriftbögen ausgefüllt wurden. Das Ergebnis ist phänomenal. Den Initianten gilt ein riesiges Kompliment für ihre Idee und ihren Einsatz. Dass in nur zwei Wochen weit über 30‘000 Unterschriften gesammelt wurden, spricht einerseits für das Engagement der GC-Fans und und zeigt andererseits, dass Zürich eben doch eine Fussballstadt ist.
Gemäss dem ehemaligen Präsident Fritz Peter ist es möglich, ein Stadion innerhalb der nächsten 2 Jahre zu bauen, ein sogenanntes Nüsslistadion. Wäre ein solches Projekt sinnvoll für den Klub GC?
Urs Linsi: Die Realisierung unseres Konzept wäre einfacher, wenn der GC über ein den heutigen Anforderungen und den Verhältnissen des Clubs angemessenes Stadion verfügen würde. Der Bau eines solchen Stadions wird aber in der Stadt Zürich trotz positiven Volksentscheiden seit Jahren verhindert und der Hardturm, die alte Heimat des GC wurde abgerissen. Die Folgen sind fehlende Einnahmen und überhöhte Kosten. Deshalb braucht Zürich schnellstens ein Stadion. Der Ball liegt bei der Stadt Zürich, der Eigentümerin des Hardturmareals, dem bestgeeigneten Platzes für ein Fussballstadion in Zürich. Alleingänge bringen uns in dieser Angelegenheit nicht weiter. Wir müssen die Kräfte bündeln und ich bin guter Dinge, dass wir – nicht zuletzt auch dank der Initiative der GC-Fans – in der Stadionfrage einen Schritt weiterkommen werden.
GC legt grossen Wert auf junge Talente. Diese sollen zu Edelsteinen geschliffen und anschliessend für viel Geld ins Ausland verkaufen werden. Trainer Sforza hat in einem Interview betont, er wolle nicht immer viele gute Spieler auf Ende einer Saison verlieren und anschliessend mit dem Aufbau von Anfang beginnen. Wie möchte man ein solches Problem angehen respektive verhindern?
Urs Linsi: Mit einer auf mindestens für drei Jahre ausgelegten Finanzierung können wir unseren jungen Spielern klare Perspektiven aufzeigen und sie längerfristig an uns binden. Bei uns können sie sich weiterentwickeln und für einen späteren eventuellen Wechsel ins Ausland vorbereiten und unsere erste Mannschaft kann dann auch von der GC-Ausbildungsarbeit vermehrt profitieren und unser Cheftrainer Ciriaco Sforza kann seine dank hervorragender Arbeit erzielten Erfolge noch steigern.
Zurzeit kommt Nassim Ben Khalifa in der Bundesliga nicht zur Spielpraxis. Von Wolfsburg wurde er an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Wäre er als Stürmer wieder eine Option für GC?
Urs Linsi: Nassim Ben Khalifa ist nicht nur ein sehr talentierter, sondern auch ein sehr engagierter junger Spieler, der seinen Weg in einer ausländischen Liga machen will und wird. Inzwischen hat er auch seinen ersten Bundesliga-Einsatz bestritten. Das freut uns alle und wir wünschen ihm, dass er seine Ziele erreicht.
Besten Dank Herr Linsi für das Interview und alles gute für Ihre Zukunft!
Vorwärts GC Züri, jetzt erst rächt!
Euer GCblog.ch